Methodik

Die Auswahl der Testpersonen erfolgte in erster Linie auf Basis der bisherigen Erfahrungen mit Internetnutzung im Allgemeinen und Online-Shopping im Speziellen. Es wurde darauf geachtet, dass grundlegende Interneterfahrung zwar vorhanden ist, die ProbandInnen aber wenig bis keine Shoppingerfahrungen im Web vorweisen konnten.
Die Usabilitytests wurden nach der klassischen „Thinking Aloud“-Methode durchgeführt. Den Testpersonen wurden realitätsnahe Aufgaben gestellt, bei denen auch durchaus auf persönliche Interessen und Vorlieben Rücksicht genommen wurde, um die Identifikation mit der Testaufgabe zu erhöhen.

Nach einer kurzen einleitenden Befragung über Erfahrungen und Motive waren ausgewählte Aufgabenstellungen in einem bzw. zwei unterschiedlichen Webshops zu erledigen. Zum Abschluss der etwa 90-minütigen Tests wurden ein Resümee und persönliche Eindrücke erfragt.

Zur Auswertung der Usabilitytests wurde neben dem Facilitator, der die Testperson durch Aufgabenstellung und Fragen begleitete, eine weitere Person zur Beobachtung beigestellt. Darüber hinaus wurden die meisten Tests über Screencapture und Video aufgezeichnet.

Bei den 14 durchgeführten Tests wurde zwischen zwei Benutzergruppen differenziert:

  • ältere InternetuserInnen zwischen 50 und 72 Jahren und
  • Menschen mit Behinderungen (mit schweren Sehbehinderungen und blinde NutzerInnen).

Bei der zweiten Gruppe wurde für BenutzerInnen von Screen Readern auf die besondere Komplexität Rücksicht genommen und der Umfang der Aufgaben etwas reduziert. Features, die von vornherein als unzugänglich eingestuft wurden (wie etwa Katalog zum Blättern in nicht barrierefreiem Flash oder Sitzplatzauswahl in nicht barrierefreier Java Applikation) wurden mit ihnen nicht getestet. Die BenutzerInnen mit schweren Sehbehinderungen verwendeten jeweils eine spezielle Zoomsoftware zur Vergrößerung des Bildschirms.

Wesentlich für eine möglichst realitätsgetreue Testumgebung ist, dass bei BenutzerInnen von assistierenden Technologien (Braillezeile, Screenreader, Zoomsoftware) die jeweils gewohnten Produkte eingesetzt werden, da die fehlerfreie und rasche Bedienung der Software relativ viel Erfahrung erfordert. Es wäre für zukünftige Tests durchaus überlegenswert, diese direkt am gewohnten PC-Arbeitsplatz der jeweiligen Person durchzuführen.

Empfehlenswerte Literatur u.a. zur Durchführung von Usability Tests mit Menschen mit Behinderungen ist Henry, Shawn Lawton. Just Ask: Integrating Accessibility Throughout Design. Madison, WI: ET/Lawton, 20071.