2.1.1 Überladen Sie die Seite nicht

Hintergrund

Viele E-Commerce Websites bieten eine Vielzahl an Produkten, an Informationen über die einzelnen Produkte und an zusätzlichen Features (z.B. Community Features). Selbst wenn alle Elemente für sich gesehen ausreichend Mehrwert für die NutzerInnen bieten, so können sie in ihrer Gesamtheit rasch kontraproduktiv werden: BenutzerInnen verlieren die Übersicht über das Angebot, können sich nicht innerhalb des Produktkatalogs oder dem Servicebereich orientieren, Schwerpunkt und Stärken des Produktangebots bleibt ihnen verborgen.
Aufgeräumte Interfaces sind übersichtlicher, rascher zu überblicken, leichter zu erlernen und reduzieren Benutzungsfehler.

Maßnahmen

  • Achten Sie auf ein hinreichendes Verhältnis zwischen primärer Produktinformation und Zusatzinformation und -Features.
  • Stellen Sie die wesentlichen Informationen räumlich und visuell in den Mittelpunkt.
  • Überprüfen Sie, am Besten schon im Vorfeld, welche Elemente und Services tatsächlich relevanten Mehrwert für die NutzerInnen bieten.
  • Überprüfen Sie die tatsächliche Nutzung einzelner Features (z.B. über die Zugriffsstatistik), untersuchen Sie die Ursachen für eine geringe Akzeptanz (nicht verständlich, nicht hilfreich, nicht nützlich etc.). Entfernen oder verbessern Sie wenig genutzte Features.
  • Entfernen Sie obsolete Features, die beispielsweise in der ausgewählten Ansicht nicht zur Verfügung stehen oder keinen Sinn machen (z. B. Zoomansicht von Produkten, wenn keine Bilder in ausreichender Qualität zur Verfügung stehen).
  • Blenden Sie sekundäre Elemente und Services über Progressive Disclosure ein (siehe Glossar). Mit Hilfe von Progressive Disclosure verborgene Informationen und Features erfordern zusätzliche Useraktionen und ggf. zusätzliche Ladezeit. Überlegen Sie daher genau, welche Informationen und welche Techniken sich für Progressive Disclosure eignen. Das kann je nach Kontext von Seite zu Seite durchaus unterschiedlich sein.
  • Bei manchen Features und Informationen können einmal geäußerte Userinteressen oder Präferenzen durchaus als dauerhaft angenommen werden. Beispielsweise Sprachwahl, bevorzugte Zahlungsmethoden, Herkunftsland. In diesem Fall sollte sich Ihre Applikation den Benutzerwunsch merken (z. B. Cookie, Session) bzw. diese Optionen als Default-Werte anzeigen. Es muss jedoch weiterhin einfach möglich sein, Präferenzen nachträglich zu ändern.
  • Achten Sie auf die Zugänglichkeit bei der Wahl der Umsetzungstechnik für progressive Disclosure. Mt Ajax oder mit Javascript ein- und ausgeblendete Informationen können bei nicht barrierefreier Umsetzung von Blinden nicht genutzt werden.
  • Entfernen Sie auf Seiten mit kritischer Interaktion (Registrierung, Kaufabwicklung) alle nicht unmittelbar relevanten Elemente. Damit vermeiden Sie, dass KäuferInnen im letzten Moment von der Kaufabwicklung abgelenkt werden.
  • Vermitteln Sie die Vielfalt der Produkte und Services nicht mittels der Überladenheit des Webauftritts sondern durch andere Maßnahmen. Investieren Sie in professionelle Informationsarchitektur mit Maßnahmen wie Card Sorting für Auswahl und Reihung von Navigationspunkten, Wireframes, Prototyping, Benutzertests etc..

Wer profitiert davon

  • Alle NutzerInnen

Beispiele

Amazon überfüllte Startseite

amazon.de: Die Startseite zeigt in eher unübersichtlicher, uniformer Darstellung eine Fülle von Bestsellern. Sie könnte optisch besser gegliedert bzw. hierarchisiert werden.

Startseite Quelle

quelle.at: Die Startseite überfordert weniger durch die klare Strukturierung der grafischen Präsentation. Sie wirkt wie eine Werbeschaltung und erfordert damit weniger Konzentration in der Wahrnehmung.