2.2.7 Verzichten Sie möglichst auf dynamische Dropdownmenüs, besonders auf verschachtelte Dropdownmenüs

Hintergrund

Dynamische Menüs sind für User mit Einschränkungen schwierig zu benutzen: Zoom Software NutzerInnen sehen nur einen Teil des Bildschirms und können Probleme mit der Wahrnehmung und Bedienung von Aufklappmenüs haben.

NutzerInnen mit motorischen Einschränkungen können maussensitive Aufklappmenüs schwer bedienen, Navigationsteile klappen ungewollt zu oder auf. Blinde NutzerInnen erhalten Links schlecht programmierter JavaScript Menüs in doppelter Ausführung. Die Lesereihenfolge ist möglicherweise falsch.

JavaScript selbst ist mittlerweile zwar kein grundlegendes Accessibilityproblem mehr – moderne Screenreader interpretieren es zu einem guten Teil. JavaScript basierte Funktionalitäten (z.B. solche auf AJAX-Basis, siehe Glossar) sind aber nach wir vor schwierig Screenreader-tauglich umzusetzen.

Ältere, internetunerfahrene und ängstliche UserInnen haben ein erhöhtes Sicherheitsbedürfnis und deaktivieren Javascript möglicherweise selbst durch Einstellung der höchsten Sicherheitsstufe im Browser.

Insgesamt muss abgewogen werden, ob die Usability Vorteile (Darstellung umfangreicher Menüstrukturen bei geringem Platzbedarf) die Nachteile für viele Nutzergruppen überwiegen.

Umfangreiche dynamische Navigationssysteme sind unter Umständen für TastaturbenutzerInnen durch die Vielzahl der Links nachteilig in der Handhabung. Überlegen Sie ggf. ob es vorteilhaft ist, wenn TastaturbenutzerInnen beim Durchtabben nicht alle Subkategorien erreichen; sondern diese nur über die entsprechenden Unterseiten oder über andere Steuertasten (Pfeiltasten) erreichbar sind. User-Tests mit dieser Zielgruppe lassen eine solche Vorliebe erkennen.

Maßnahmen:

  • Machen Sie Dropdownmenüs so bedienungssicher wie möglich: z.B. durch kurze Listen, zeitverzögertes Zuklappen. Bevorzugen Sie Navigationslösungen – soweit möglich – ohne JavaScript.
  • Machen sie JavaScript-basierte Lösungen auch ohne JavaScript bedienbar (progressive Enhancement mit geeigneten Fallback Lösungen).
  • Beschränkung auf eine Ebene.
  • Machen Sie Submenüpunkte auch ohne JavaScript erreichbar – gegebenfalls über statische Submenüs oder im Content.
  • Überlegen Sie, ob es bei besonders umfangreichen dynamischen Navigationen nicht von Vorteil ist, wenn inaktive Subnavigationen vom Durchtabben ausgeschlossen bleiben. In diesem Fall ist sicherzustellen, dass die entsprechenden Unterkategorien z.B. über Unterseiten erreichbar bleiben.

Wer profitiert davon:

  • Wenig interneterfahrene NutzerInnen
  • Blinde NutzerInnen
  • Sehbehinderte NutzerInnen
  • NutzerInnen mit motorischen Einschränkungen

Beispiele

Startseite Amazon

amazon.at: Das JavaScriptmenü in der linken Navigation muss nicht verwendet werden. Es muss von TastaturnutzerInnen auch nicht durchgetabbt werden. Über den Link „Alle Kategorien ansehen“ ist auch eine statische Ansicht aller Produkte möglich.

Quelle Dropdownmenü

quelle.at: Das Dropdownmenü wird durch Bewegung der Maus oft versehentlich aktiviert. Es ist kleinteilig, schwer lesbar und nicht überspringbar. Für NutzerInnen von Zoomsoftware sind lange Dropdown Menüs sehr schwierig zu bedienen.Mittlerweile (2009) wurde das Menü bei Quelle optimiert. Mit der Tastatur sind nur noch die Hauptmenüpunkte erreichbar. Es gibt eine kleine Zeitverzögerung, sodass es nicht so schnell unfreiwillig geöffnet wird. Bei deaktiviertem JavaScript bleiben die Hauptmenüpunkte noch bedienbar.